Wie Moore gleichzeitig zum Klimaschutz beitragen und neue Perspektiven für Landwirtschaft und regionale Wertschöpfung eröffnen können, stand im Mittelpunkt einer Informationsveranstaltung am 16. Juni 2026 im Bürgerhaus Gnarrenburg. Rund 40 Teilnehmende diskutierten aktuelle Entwicklungen und Herausforderungen der Moorentwicklung.
Gemeinsam mit der Gemeinde Gnarrenburg stellte die Ostfalia Hochschule, vertreten durch das Institut für nachhaltige Bewässerung und Wasserwirtschaft im ländlichen Raum (INBW), zwei aktuelle Forschungsprojekte zur Wiedervernässung von Mooren sowie zu alternativen Bewirtschaftungsformen vor. Ziel war es, Einblicke in die laufenden Arbeiten zu geben, Schnittstellen zwischen Wissenschaft, Verwaltung und Praxis aufzuzeigen und Impulse für die weitere Entwicklung aufzunehmen.
Zusammenarbeit von Kommune, Wissenschaft und Landwirtschaft
Zum Auftakt begrüßten Claudia Koops (Amt für regionale Landesentwicklung Lüneburg) sowie Gnarrenburgs Bürgermeister Marc Breitenfeld die Teilnehmenden. Das Grußwort von Dr. Marco Mohrmann (MdL, CDU) wurde digital zugeschaltet. Dr. Mohrmann betonte die Notwendigkeit eines ausgewogenen Ansatzes: Ökologische Ziele müssten mit den berechtigten Interessen der landwirtschaftlichen Betriebe in Einklang gebracht werden. Eine Moorstrategie könne nur gemeinsam mit den landwirtschaftlichen Familien vor Ort erfolgreich umgesetzt werden.
Bürgermeister Breitenfeld hob die Chancen hervor, die sich aus einer nachhaltigen Moorentwicklung für die Region ergeben. „Aus Wiedervernässung wird Wertschöpfung“, betonte er und machte deutlich, dass Moorentwicklung nicht als Einschränkung, sondern als Zukunftsperspektive verstanden werden sollte. Zugleich unterstrich er die Bedeutung eines offenen Dialogs zwischen Kommune, Wissenschaft und Verwaltung. Die Gemeinde Gnarrenburg setzt dabei auf einen kontinuierlichen Austausch, unter anderem im Rahmen dieses „Runden Tisches“.
Forschungsprojekte NassMoor, MoniMoor und More-PV im Fokus
Im Mittelpunkt der Veranstaltung standen die Projekte NassMoor, MoniMoor und das geplante Vorhaben More-PV. Die Projektmitarbeiterinnen Nathalie Kockemüller M.Sc. und Jasmina Bock M.Sc. sowie der Projektleiter Prof. Dr.-Ing. Klaus Röttcher stellten Ziele, methodische Ansätze und erste Arbeitsergebnisse vor.
Diskutiert wurde insbesondere, wie wiedervernässte Moorflächen künftig genutzt werden können, ohne ihre Funktion als Kohlenstoffspeicher zu beeinträchtigen. Dabei ging es auch um die Verbindung von Klimaschutz, landwirtschaftlicher Nutzung und regionaler Wertschöpfung.
Moore als Schlüssel für Klimaschutz und Biodiversität
Ein zentrales Thema war die Bedeutung wiedervernässter Moore für den Klimaschutz. Durch Wiedervernässung kann die erhöhte Treibhausgasemission aus entwässerten Moorböden verringert werden , zugleich bieten wiedervernässte Moore wertvolle Lebensräume für Tiere und Pflanzen. Damit leisten sie einen wichtigen Beitrag zu Klimaschutz, Biodiversität und nachhaltiger Regionalentwicklung. In Niedersachsen, dem moorreichstem Bundesland, stammen 18% der gesamten CO2 Emissionen aus entwässerten Mooren. Ohne Maßnahmen in den Mooren können die Klimaziele nicht erreicht werden. Gleichzeitig liegen etwa 10% der landwirtschaftlichen Nutzfläche in Niedersachsen im Bereich ehemaliger Moore.
Praxisnahe Forschung und Wissenstransfer
Prof. Dr.-Ing. Klaus Röttcher betonte den praxisorientierten Ansatz der Forschung: „Wir wollen rausgehen und fragen, was fehlt – und so vorhandene Wissenslücken schließen.“ Ziel sei die enge Verbindung von wissenschaftlicher Arbeit und praktischer Anwendung.
Zum Abschluss besichtigten die Teilnehmenden die Untersuchungsflächen des Forschungsprojektes MoniMoor im Gnarrenburger Moor. Dank der Unterstützung des Teams der Zukunft Moor Gnarrenburg GmbH konnten die Pilotflächen des Statups direkt vor Ort begangen und die Ansätze im Gelände veranschaulicht werden. Die Exkursion bot Gelegenheit für einen intensiven Austausch über Potenziale und Herausforderungen nasser Bewirtschaftungsformen.
Klimaschutz und Landnutzung gemeinsam denken
Die Veranstaltung machte deutlich, wie eng Klimaschutz, nachhaltige Landnutzung und regionale Entwicklung miteinander verbunden sind. Die Ostfalia Hochschule leistet gemeinsam mit regionalen Partnern einen Beitrag zur Entwicklung praxisnaher Lösungen für Moorregionen und stärkt den Wissenstransfer zwischen Forschung und Praxis. In der Diskussion mit den Teilnehmern wurde nochmals deutlich, dass mit den neuen Nutzungsformen keine neuen Hochmoore im Sinne des Naturschutzes entstehen, sich im Laufe der Zeit aber auch im ökologischen Sinne Verbesserungen ergeben.


