Die Folgen des Klimawandels stellen Kommunen zunehmend vor Herausforderungen: Während Starkregenereignisse und Hochwasser lokal große Schäden verursachen können, führen längere Trockenperioden gleichzeitig zu Wasserknappheit und sinkenden Grundwasserständen. Wie diesen gegensätzlichen Entwicklungen begegnet werden kann, diskutierten Fachleute aus Politik, Kommunen, Verbänden, Ingenieurbüros und Wissenschaft beim 8. Erfahrungsaustausch Kommunaler Hochwasserschutz am 11. Juni in Bad Fallingbostel.
Für die Ostfalia Hochschule war Prof. Dr. Klaus Röttcher vor Ort und brachte seine Expertise zu standortgerechter und ökologisch nachhaltiger Wasserwirtschaft in die Diskussion ein. Darüber hinaus engagiert er sich im wissenschaftlichen Beirat der Akademie Hochwasserschutz, die die Veranstaltungsreihe gemeinsam mit der Kommunalen Umwelt-AktioN (UAN) vor rund zehn Jahren ins Leben gerufen hat. Im Mittelpunkt des diesjährigen Austauschs stand die Frage, wie Wasser künftig besser in der Landschaft gehalten und genutzt werden kann.
Wasserrückhalt als zentrale Zukunftsaufgabe
Die Diskussionen machten deutlich, dass Hochwasserschutz heute weit über den Bau technischer Schutzanlagen hinausgeht. Vielmehr müssen Wasserwirtschaft, Landwirtschaft, Naturschutz und Kommunen gemeinsam Lösungen entwickeln, die sowohl Hochwasser- als auch Dürrefolgen berücksichtigen.
„Die Menschen akzeptieren die Maßnahmen, wenn sie verstehen, wozu diese gut sind“, betonte Röttcher. Für ihn gehört die frühzeitige Einbindung von Bürgerinnen und Bürgern ebenso zu einer erfolgreichen Umsetzung wie die fachliche Planung.
Mit Blick auf die Zukunft verwies Röttcher auf den steigenden Wasserbedarf in der Landwirtschaft: „In Zukunft werden wir rund 30 Prozent mehr Wasser benötigen. Deshalb müssen wir heute darüber nachdenken, wo dieses Wasser herkommen kann und entsprechend handeln.“ Ein wichtiger Ansatz sei der Wasserrückhalt in der Landschaft. Wasser müsse effizient eingesetzt, alternative Ressourcen genutzt und Möglichkeiten geschaffen werden, Wasser im Grundwasser zu speichern. Dadurch könnten Hochwasserspitzen reduziert und gleichzeitig die Wasserversorgung in Trockenzeiten verbessert werden.
Akzeptanz schaffen und Menschen einbinden
Ein weiterer Schwerpunkt war die erfolgreiche Umsetzung von Maßnahmen. Förderprogramme seien wichtig, erklärte Röttcher, reichten allein jedoch nicht aus. Es brauche Landwirte und weitere Akteure vor Ort, die bereit sind, Projekte mitzutragen. Ebenso wichtig seien langfristige Planung, engagierte „Kümmerer“ und die konsequente Umsetzung was bedeutet die Vorhaben unabhängig von politischen Wahlperioden langfristig vorantreiben.
Für mehr Akzeptanz seien praktische Erfahrungen unverzichtbar. Pilotprojekte könnten zeigen, wie Maßnahmen funktionieren und welchen Nutzen sie für die Region haben. Bewohnerinnen und Bewohner sowie Landwirte sollten deshalb gezielt eingeladen werden, Projekte vor Ort kennenzulernen.
Eine besondere Herausforderung bestehe darin, auch Menschen zu erreichen, die bislang weder von Hochwasser noch von Dürre betroffen waren. „Auch wenn der direkte Nutzen nicht immer unmittelbar sichtbar ist, müssen wir zeigen, dass wir diese Maßnahmen für die Gesellschaft als Ganzes umsetzen und nicht allein wegen möglicher Förderungen“, sagte Röttcher.
Neben technischen und organisatorischen Fragen spielte auch die Nachwuchsförderung eine wichtige Rolle. Clemens Löbnitz, Ostfalia Absolvent und Geschäftsführer des Kreisverbandes der Wasser- und Bodenverbände Uelzen, warb dafür, junge Menschen frühzeitig für Klima- und Wasserschutzthemen zu sensibilisieren – etwa durch Projektwochen, Schulbesuche oder die Mitarbeit in Verbänden. Aus- und Fortbildung sowie lebenslanges Lernen seien entscheidend, um den Herausforderungen des Klimawandels langfristig begegnen zu können.
Zum Abschluss zog die Initiatorin Dr. Katrin Flasche ein positives Fazit: „Wir müssen in einigen Bereichen der Wasserwirtschaft umdenken, doch viele Menschen haben diesen Weg bereits eingeschlagen.“ Der Erfahrungsaustausch zeigte, dass Wasser zunehmend als Teil ganzer Landschaften betrachtet wird. Immer mehr Akteurinnen und Akteure arbeiten gemeinsam daran, Wasser in der Fläche zu halten, Hochwasserrisiken zu reduzieren und die Wasserversorgung langfristig zu sichern.


